Steuerberater Torben von Slupetzki
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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 01.04.2020

Kapitän muss auf mögliche unerwartet heftige Schiffsbewegungen bei unauffälligem Seegang hinweisen - Haftung bei Sturz

Wenn der Schiffsführung bekannt ist, dass sich das Kreuzfahrtschiff trotz unauffälligen Seegangs z. B. durch eine besonders hohe Welle unerwartet bewegt, müssen die Reisenden darauf hingewiesen werden. Unterbleibt der Hinweis und stürzt ein Reisender, kann dafür der Kapitän des Schiffes sowie die Reiseveranstalterin haften. So entschied das Landgericht Rostock (Az. 1 O 11/18).

Im Januar 2017 nahm ein Ehepaar an einer Kreuzfahrt auf der Nordsee teil. Während das Ehepaar an einem Abend im Bordrestaurant ihr Abendessen zu sich nahm, traf eine sehr große Welle das Schiff, wodurch das Schiff um etwa 10° krängte. Dadurch stürzte der Ehemann mit seinem Stuhl und verletzte sich dabei. Die heftige Schiffsbewegung kam für die Reisenden unerwartet, da die See keine Auffälligkeiten zeigte. Die Wetterlage begünstigte aber die Entstehung großer Wellen in bestimmten Abständen. Der private Krankenversicherer des Verunfallten klagte schließlich gegen den Kapitän des Schiffes und gegen die Reiseveranstalterin auf Erstattung verauslagter Krankheitskosten.

Das Gericht gab der Versicherung Recht. Dem Kapitän des Kreuzfahrtschiffes sei eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorzuwerfen. Wenn das Wetter und die See keine besonderen Auffälligkeiten aufweisen, könne ein Reisender grundsätzlich darauf vertrauen, dass das Schiff keine erheblichen und abrupten und plötzlichen Bewegungen mache, die einem Reisenden den sicheren Stand sowohl im Sitzen als auch im Stehen nehmen könne. Wenn der Schiffsführung bekannt war oder sie hätte wissen müssen, dass das Schiff in einer solchen Wetterlage, z. B. durch eine besonders hohe Welle, erheblich und unerwartet bis zu 10° krängen kann, müsse sie die Reisenden auf die Gefahr hinweisen. Dies sei hier unterlassen worden.

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